CO2-Fußabduck in der Landwirtschaft berechnen – Wie geht das und was sind die Herausforderungen?

Die Landwirtschaft hat einen wesentlichen Anteil an den Treibhausgas-Emissionen in der Welt. Dies trifft auch in Deutschland zu, wo die Landwirtschaft immerhin die drittgrößte Quelle von Treibhausgas-Emissionen darstellt. Laut Umweltbundesamt war die deutsche Landwirtschaft im Jahr 2020 für 60,4 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) -Äquivalente verantwortlich. [1] Deshalb hat McDonald’s als ein großer Abnehmer landwirtschaftlicher Rohwaren zusammen mit seinen Lieferanten eine besondere Verantwortung.

Das Kohlendioxid- oder auch CO2-Äquivalent ist eine Maßeinheit, um Emissionen aus verschiedenen Quellen auf der Grundlage ihres Erderwärmungspotenzials zu vergleichen[2]. So beträgt das CO2-Äquivalent für Methan zum Beispiel 28 für 100 Jahre: Das bedeutet, dass ein Gramm Methan in 100 Jahren 28-mal so stark zum Treibhauseffekt beiträgt wie ein Gramm Kohlendioxid.[3] Wenn wir von Treibhausgasemissionen in der Landwirtschaft reden, ist es vor allem wichtig, dass wir die Bedeutung von Kohlendioxid-Äquivalenten kennen. Innerhalb des Landwirtschaftssektors machen die Methan- und Lachgasemissionen den Hauptanteil am Treibhausgasausstoß aus. Diese Emissionen entstehen vor allem bei Verdauungsprozessen von Wiederkäuern sowie bei der Lagerung und Ausbringung von Düngern auf landwirtschaftlichen Böden. Alle Emissionen können in Kohlendioxid-Äquivalenten dargestellt werden[4].

Mit Klimabilanzen können Landwirte faktenbasiert ermitteln, wie klimaschonend sie bereits arbeiten und an welche Stellen noch Verbesserungspotential besteht. Zusätzlich bieten Abnehmer (z.B. Molkereien) und Beratungsunternehmen an, Landwirte auf der Grundlage ihres CO2-Fußabdrucks zu beraten: Wo sind die größten Hebel und welche Maßnahmen sind sinnvoll, um ihre Emissionen effizient zu reduzieren.

Bisher wurden oft Annahmen und Berechnungen auf Basis statistischer Werte und Standardemissionsfaktoren erstellt. Um die Wirksamkeit verschiedener Maßnahmen zur Senkung der Treibhausgas-Emissionen bestimmen zu können, muss man erst die derzeitigen Emissionen eines Betriebes ermitteln. Eine der Methoden zur Bestimmung der aktuellen Emissionen beruht auf der Nutzung eines für diese Zwecke entwickelten Tools. Mit Hilfe eines solchen Werkzeugs kann z.B. der CO2-Fußabdruck für ein Kilogramm eines bestimmten Produkts auf der Grundlage von betriebsbezogenen Daten berechnet werden.

In den letzten Jahren wurden mehrere solcher Anwendungen entwickelt, die sich auf die Ermittlung der Emissionen eines Betriebs konzentrieren. Im deutschen Landwirtschaftssektor werden das Cool Farm Tool und das TEKla Tool (Treibhaus-Emissions-Kalkulator-Landwirtschaft) oft für diese Zwecke verwendet. Der Hauptunterschied zwischen den beiden Anwendungen ist, dass das Cool Farm Tool ein internationales Tool ist, während das TEKla Tool von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen entwickelt wurde. Das heißt auch, dass diese auf unterschiedlichen Standards basieren, was zu unterschiedlichen Ergebnissen führen kann. Die verschiedenen Standards können dazu führen, dass zum Beispiel die Produktion unterschiedlich tiefgehend analysiert wird oder unterschiedliche Emissionsquellen einbezogen werden. Während ein Tool z.B. die durch Abholzung von Flächen im Amazonasgebiet verursachten Emissionen, die für die Futtermittelproduktion benötigt werden, einbezieht, könnte ein anderes dies im Erfassungsbereich nicht berücksichtigen.  Es ist somit schwierig, die einzelnen Ergebnisse der unterschiedlichen Tools zu vergleichen. Um dennoch die Vergleichbarkeit der Ergebnisse verschiedener Klimabilanzierungen sicherzustellen, ist Transparenz entscheidend.  Da es keinen einheitlichen Standard gibt, stellen einige Unternehmen spezielle klimarelevante Fragen an ihre Zulieferer aus Landwirtschaft und Produktion, um eigene Berechnungen und Beratungen durchzuführen. Somit kann es bei unterschiedlichen Unternehmen zu abweichenden Bewertungen eines Landwirts kommen, obwohl dieser dieselben Daten geliefert hat.

Wenn das Ziel des Einsatzes eines CO2-Messinstruments darin besteht, die Entwicklung des CO2-Fußabdruck eines Betriebs über die Jahre hinweg zu vergleichen, ist die Verwendung unterschiedlicher Instrumente in der Industrie kein Problem. Wenn es jedoch darum geht, verschiedene Betriebe miteinander zu vergleichen oder die Emissionen verschiedener Betriebe in die Treibhausgasbilanz eines Unternehmens einzubeziehen, kann die Verwendung von unterschiedlichen Tools ein Problem darstellen.

Die eine Lösung gibt es nicht. Hier ist es wichtig, sich gemeinsam auch branchenübergreifend (z.B. Fleisch- und Milchwirtschaft, aber auch Ackerbaubetriebe) auszutauschen, um Wissen zu teilen und Anforderungen an die Landwirtschaft in einem gewissen Maß zu halten. Wir bei McDonald’s verfolgen die Entwicklungen in der Branche und in der Politik und hoffen auf einen Standard, der sich in der Lebensmittelbranche etabliert. Bis dahin arbeiten wir an verschiedenen Projekten, um diese Entwicklung zu unterstützen. Über eines unserer aktuellen Projekte mit unserem Lieferanten Hochland werden wir euch in einem der kommenden Artikel berichten.


[1] Treibhausgas-Emissionen in Deutschland | Umweltbundesamt

[2] Glossary:Carbon dioxide equivalent – Statistics Explained (europa.eu)

[3] Kohlendixod-Äquivalent oder CO₂-Äquivalent – was ist das? (umweltberatung.at)

[4] Beitrag der Landwirtschaft zu den Treibhausgas-Emissionen | Umweltbundesamt

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