Interview Initiative Milch Teil 2

Wie bereits im letzten Teil des Interviews versprochen, geht es heute weiter mit dem zweiten Teil. Nur nochmal kurz zur Erinnerung: Das Interview findet mit zwei Vertreterinnen der Initiative Milch, Kerstin Wriedt und Carola von und zur Mühlen, statt. Die Basics wurden bereits im letzten Teil des Interviews geklärt, deshalb starten wir direkt mit den inhaltlichen Fragen durch:

Bei McDonald’s wird offensichtlich auch in verschiedensten Produkten Milch genutzt. Wir haben unsere Milch für die Kaffeespezialitäten seit April auf Haltungsform 3 umgestellt und beziehen sie seit mehreren Jahren zu 100 Prozent aus Deutschland. Bei Shakes und Sundae ist das noch nicht der Fall, wir sind aber auch hier schon an der Umstellung dran. Jetzt ist uns aber aufgefallen, dass vielen unserer Gäste gar nicht so bewusst ist, dass eben auch diese Produkte aus Milch bestehen, anders als beim Kaffee, wo die Milch quasi im „normalen“ Zustand (dünnflüssig) ist. Liegt das daran, dass eben Shake/Sundae nicht direkt mit Milch/tierischen Produkten in Verbindung gebracht werden? Kann man das an anderer Stelle auch feststellen, dass höher verarbeitete Lebensmittel weniger im Kontext „Tierwohl“ gesehen werden? Und wie kann man dagegen vorgehen?

Carola beginnt mit der Beantwortung der Frage: Menschen, denen Tierwohl wichtig ist, ist es wichtig, unabhängig der Darreichungsform der Milch. Oftmals ist es für den Verbraucher/ die Verbraucherin auf den 1. Blick nicht erkennbar, dass es sich um ein Milchprodukt oder ein Produkt, das Milch enthält handelt. Das Ganze hat wenig mit Ignoranz und mehr mit Unwissenheit zu tun. Deutlich wird das in Befragungen. Hier sieht man, dass den Menschen nicht unbedingt bewusst ist, welche Produkte Milch enthalten. Greift man nun das Beispiel von vorhin erneut auf, wird auch hier wieder klar, dass beim Eis die Milch noch viel selbstverständlicher ist, als vielleicht beim Kaffee, wo mehr Alternativen angeboten werden. Das hat also nicht direkt mit dem Tierwohl zu tun.

Kerstin fasst das Ganze ziemlich gut zusammen: Es scheint fast so, als hätte man zwei Seelen in der Brust: Einerseits will man den Genuss, andererseits beschäftigt man sich immer mehr mit der Frage, wo die Lebensmittel herkommen.

Jetzt beschäftigen wir uns im Sustainability Team mit verschiedensten Themen im Bereich Nachhaltigkeit, vor allem eben auch mit den Produkten in unserer Lieferkette. Wie kann man die Nachhaltigkeit im Kuhstall verbessern, wie kann man sie messen und was gibt es für Indikatoren dafür? Was sind Möglichkeiten, hier nachhaltiger zu werden?

Das Stichwort hier ist „im Kuhstall“. Es geht nicht darum, die Nachhaltigkeit der Kühe zu verbessern. Denn nur weil sie Methan ausstoßen, kann man den Tieren ja schlecht einen Katalysator einbauen. Es geht darum, die Nachhaltigkeit im Kuhstall zu verbessern. Das kann durch verschiedenste Maßnahmen erreicht werden. Eine Maßnahme, ist die Technologisierung des Stalls, aber auch die der einzelnen Arbeitsschritte. Darunter kann man sich so etwas wie Gesundheitsmonitoring vorstellen. Durch das Gesundheitsmonitoring im Speziellen können sich die Landwirtinnen und Landwirte, wenn nötig, gezielter um einzelne Tiere kümmern. Außerdem ist eine Anpassung der Fütterung nötig, um die Nachhaltigkeit zu verbessern. Also, dass man schaut, dass kein Futter von Übersee gekauft, sondern im besten Fall selbst angebaut wird. Ergänzend dazu ist auch wichtig, dass darauf geachtet wird, dass das Futter einen möglichst hohen Eiweißgehalt hat, um die zu fütternde Menge reduzieren zu können. Denn die optimale Verwendung von Futtermitteln senkt die CO2 – Bilanz deutlich. Auch die Verwendung von Ausscheidungen der Tiere in Biogasanlagen zur Eigenerzeugung von Strom am Hof, Fütterungsroboter, Melkroboter usw. haben eine maßgebliche Auswirkung auf die Nachhaltigkeit im Kuhstall. Wichtig ist schlussendlich vor allem die Gesundheit der Tiere, denn nur mit gesunden Tieren kann gewirtschaftet werden. Natürlich spielt nicht nur die ökologische Nachhaltigkeit eine Rolle, auch die soziale Nachhaltigkeit ist ein wichtiger Teil, nicht unbedingt im Kuhstall, aber auf dem Hof insgesamt. Was hier vermehrt in den Vordergrund gestellt werden muss, ist die mentale Gesundheit der Landwirtinnen und Landwirte. Gerade für sie ist es wichtig, eine gesunde Work-Life-Balance zu haben, da eine räumliche Trennung von Arbeit und zu Hause für die meisten nicht möglich ist. Es sollte die Möglichkeit geben, auch mal durchatmen zu können und Zeit zum Nachdenken zu haben, denn so entstehen neue Ideen, Innovationen und nur durch diese kann letztendlich die Nachhaltigkeit im gesamten Betrieb verbessert werden.

Am 1. 6., zum Tag der Milch läuft eure neue Kampagne an. Was ist euer Ziel mit dieser Kampagne? Worauf wollt ihr aufmerksam machen?

Wir sind auf einem guten Weg hin zu nachhaltiger Milchwirtschaft. Mit der Kampagne soll gezeigt werden, dass Milch nicht so steif ist, wie das oft wahrgenommen wird, sondern Milch ist total dynamisch. Milch ist „on the move“. Wir sind auf einer Reise, wollen uns bewegen und bewegen uns. Ein Teil der neuen Kampagne ist das neue Kampagnenlied „Hallemuhjah“, mit dem das Ganze sehr humorvoll angestupst werden soll. Bei „Let’s do Zukunft“ sind noch detailliertere Ausführungen zu verschiedenen Nachhaltigkeitsprogrammen, wie zum Beispiel Wasservermeidung, Müllreduktion und noch vieles mehr zu finden.

©Initiative Milch

Noch eine abschließende Frage bzw. ein abschließender Anstoß: Gibt es etwas, was ihr den Leserinnen und Lesern oder aber auch McDonald’s im Speziellen mitgeben möchtet?

Wichtig ist es, sich zu informieren und Dinge zu hinterfragen. Wo kommen die Produkte her? Was steht dahinter? Sich also mit der Wertschöpfungskette auseinanderzusetzen. Diese Dinge immer im Hinterkopf zu behalten und den Dialog zu führen. Das heißt nicht nur stur auf einer Meinung beharren, sondern im Austausch bleiben, gemeinsam an Vorschlägen, Veränderung und Verbesserung arbeiten.

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